Wann bin ich bei mir angekommen?

Kürzlich fragte mich jemand in einer persönlichen Message, nachdem ich meinen traurigen Gefühlen Raum gab: „Du bist ja aber eigentlich voll die Lustige, oder?“
Meine Antwort daraufhin war: „Ich bin beides. Nicht entweder oder, sondern sowohl als auch.“

Diese Erkenntnis hat in meinem Leben echt DEN Unterschied ausgemacht. Ich hatte irgendwann verinnerlicht, dass ich stark und schwach bin. Dass ich lustig und traurig sein darf. Dass ich männliche und weibliche Anteile habe. In vielen Bereichen meines Lebens wollte ich entweder dies oder jenes sein und habe oft versucht, eine Seite zu verdrängen.

Aber verdrängen wollen schafft Widerstand
und Widerstand erzeugt Leid.

Als ich kürzlich mein Tagebuch aus der psychosmatischen Klinik las, musste ich lachen. Weisst du worüber? Meine Themen an sich sind immer noch die gleichen wie vor 15 Jahren auch. Mit einem Unterschied: Ich habe sie angenommen. Das, was ich Jahre lang weghaben wollte, ist ein Teil von mir. War es eh schon immer, aber ich wollte es nicht.

Was das für einen Unterschied macht? Recht einfach: Ich leide nicht mehr darunter. Verrückt oder? Und jetzt kommt’s: Seitdem ich die Schwächen angenommen habe, haben sie sich verwandelt. Sie wurden teilweise sogar zu Stärken.

Ein Beispiel: Meine weiche, emotionale Seite habe ich lange Zeit verflucht. Ich habe diese Sanftheit abgelehnt. Heute darf sie sein. In meinen Büchern lebe ich diese Seite sogar voll aus.

Ich kann dich deshalb nur inständig bitten: Öffne dich für deine Schwächen – da liegen oft so wertvolle Schätze drin. Nimm sie an, damit sie wieder Luft bekommen. Sie wollen frei sein und atmen. Und dann schau, was passiert…

Wenn ich Selbstverantwortung übernehme für das, was ist und die Vergangenheit nicht mehr anders haben möchte, weil ich verinnerlicht habe, dass ich mir selbst (oft unbewusst) die Situation so erschaffen habe und somit alles seinen Sinn hatte, bin ich bei mir angekommen. Ich akzeptiere das Leben mit all seinen Facetten. Ich stelle mich dem, was da ist.

In den Krisen unseren Lebens reicht die Seele uns die Hand,
damit wir Frieden mit uns selbst schließen zu können.

Alles Liebe
Eure Kerstin
www.Autorin-mit-Herz.de

3 thoughts on “Wann bin ich bei mir angekommen?

  1. Ich möchte zu dem „sowohl als auch“ hinzufügen, dass es auf den Kontext ankommt in dem wir uns befinden. Wir können zuverlässig und ehrlich sein und in einem anderen Kontext nachlässig und lügend. Es kommt „darauf“ an…
    Wir sind nicht so oder so, der Kontext ist maßgeblich wie wir uns (in ihm) verhalten. LG

  2. Ehrlich zu mir selbst zu sein, zu dem stehen, wer ich bin, hilft mir am besten durch den Alltag zu kommen, auch wenn das manchmal bedeutet, dass sich Leute von einem abwenden (auf die kann man dann aber auch getrost verzichten). Früher habe ich mich immer versucht für andere zu verbiegen. Habe „ja“ gesagt, obwohl ich gar nicht wollte. Das macht krank. Da entsteht dann eine permanente innere Ablehnung sich selbst und anderen gegenüber. Man denkt, man gewinnt dadurch, dass man es anderen Recht macht, jedoch ist das Gegenteil der Fall.
    Ich denke auch, dass es mitunter situationsabhängig ist, wie wir uns verhalten. Auch verhalten wir uns Menschen unterschiedlich gegenüber, je nachdem, wie gerade die Chemie stimmt.

    • Hallo Anne,
      in deinem Blog (ich habe ein bißchen dort gelesen) bin ich über 2 Sätze gestolpert – die mich immer noch fesseln. Darüber möchte ich gerne mit dir in einen Dialog treten.

      In deinem „Experiment“ schreibst du u.a.:

      „Jedes Handeln hat aber eine Ursache.“ und „Nur wenn man den anderen versteht, kann man ihm helfen.“

      Was wäre, wenn man das menschliche Verhalten gar nicht an Ursache und Wirkung festmachen kann? Was wäre, wenn wir in unterschiedlichen Wechselwirkungen zueinander reagieren? Was wäre, wenn man zwar Erklärungen finden kann die auch noch helfen und doch nichts mit der Ursache zu tun haben?

      Der zweite Satz wirkt auf mich fatal. Denn ich kann nicht alles verstehen. Ich kann mich nicht in eine vergewaltigtes Kind versetzen, oder was Krieg bedeutet, usw.
      Kann, oder darf ich jetzt nicht versuchen zu helfen? Hemmt den Helfer so eine Aussage mehr, als sie ihm nützt?

      Ich frage, weil ich das Gefühl habe, dass solche Aussagen eher zielhemmend als zieldienlich sein können.

      Wie wäre es, wenn wir gar nichts als richtig oder falsch annehmen, sondern intuitiv auf eine Situation reagieren und danach bemerken, ob etwas funktioniert oder nicht?! LG

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