Die Regenbogen-Geschichte

Wir bewunderten alle den Regenbogen. Da fragte uns der Blinde, den wir vor lauter Begeisterung ganz vergessen hatten: „Was ist ein Regenbogen?“ Betroffen standen wir da. Schließlich nahm ich allen Mut zusammen und setzte mich neben ihn: „Ein Regenbogen ist wie der Rahmen eines riesigen Tors, das in ein Schloß führt. Er berührt die Erde an zwei Stellen und mit seiner runden Spitze berührt er den Himmel. Gott hat ihn geschaffen als Zeichen des Friedens. Deswegen kann kein Mensch, solange er lebt, durch diesen Bogen hindurchgehen, weil niemand ganz mit sich selbst und seinen Mitmenschen in Frieden lebt.“
„Gut, sehr gut“, antwortete der Blinde, „aber das war nicht der Grund, warum ihr so begeistert ward. Da muss es noch mehr geben.“
„Ja“, ich zögerte …
„Der Regenbogen hat sieben Farben“, sprach ich weiter.
Der Blinde ließ mir lange Zeit zum Nachdenken und als ich endlich Worte gefunden hatte, konnte ich spüren wie aufmerksam er mir zuhörte.

Rot – ist die Farbe der Liebe. Der rote Bogen will uns daran erinnern, daß es nicht nur hier auf Erden Menschen gibt, sondern auch im Himmel und daß all diese Menschen miteinander in Verbindung stehen – durch die Liebe. Rot ist wenn dich jemand lieb (und) umarmt.

Gelb – ist Gott und alles Himmlische. Der gelbe Bogen erinnert uns, daß das Himmliche nicht nur im Himmel ist, sondern das Gott in jedem Augenblick unseres Lebens bei uns ist. An den beiden Orten wo der Bogen die Erde berührt steht jeweils ein Topf voll Gold: Nicht irdisches Gold, sondern die himmlischen Schätze wie – Weisheit, Vertrauen , Freude und vieles mehr. Aber wie wir nicht durch den Bogen gehen können so können wir auch diese Berührungspunkte nicht erreichen, aber Gottes Geist bläst oft in diese Töpfe, so daß all diese Schätze über die ganze Erde schweben und wenn du aufmerksam bist, kannst du einen von ihnen einfangen. Gelb ist wenn du von Gott beschenkt wirst oder himmlische Mächte dich behüten und beschützen.

Orange – besteht aus Rot, dem menschlichen Herzen und Gelb, dem Himmlischen. Gott wendet sich jedem von uns mit unbeschreiblicher Liebe zu. Orange ist, wenn du die Liebe Gottes spürst und sie an deine Mitmenschen weiter gibst.

Blau – die Farbe der Treue bedeutet, das Gott in unerschütterlichen Treue zu uns hält. Blau ist wenn du in all deinen Sorgen und Nöten einen Menschen hast der treu zu dir hält.

Violett – besteht aus einem dunklen Rot – der Mensch, der der Erde ganz nahe ist und aus Blau für die Treue, treu deinen Weg gehen mit Gott zum Wohle aller Menschen. Violett ist wenn dich jemand führt, damit du nicht stolperst und dein Ziel ohne Schaden erreichst.

Lila – besteht aus einem hellen Rot, dem übersprudelnden Leben und aus Blau. Der lila Bogen erinnert uns, daß wir dieses Vertrauen nicht aus eigener Kraft schöpfen können, sondern daß es ein Geschenk Gottes ist. Lila ist wenn du durch dein Vertrauen und durch dein Beispiel anderen Menschen zum Leben in Fülle verhilfst.

Grün – die Farbe der Hoffnung. Wenn Gott unsere Bitten erhört, dann kann in uns etwas wachsen, dann kann in uns neues Leben entstehen, dann kommen wir wieder in Bewegung und können auf Gott zugehen. Der grüne Bogen erinnert uns, daß wir auf dem Weg von der Erde zum Himmel sind wo uns Gott mit ausgebreiteten Armen erwartet. Grün ist wenn in dir neues Leben aufbricht, du in Bewegung kommst und du so den Abstand zwischen Himmel und Erde immer mehr verringerst.

„Wenn ich also die Farben begriffen habe, dann grünt meine Seele“, bemerkte der Blinde nachdenklich … und ich erkannte, daß ich neben einem Weisen saß, der mehr verstand als ich ihm sagen konnte.

Und er wiederholte alles um es ganz tief in sein Inneres eindringen zu lassen:
„Rot ist, wenn ich lieb umarmt werde. Gelb, wenn ich von Gott beschenkt oder von himmlischen Mächten behütet und beschützt werde. Blau, wenn mir jemand in all meinen Sorgen und Nöten treu zur Seite steht. Orange, wenn ich Gottes Liebe erfahre und sie an meine Mitmenschen weitergebe. Violett, wenn mich jemand führt, damit ich nicht stolpere und heil zum Ziel gelange. Lila, wenn durch mein Vertrauen und mein Beispiel Menschen zum Leben in Fülle finden. Grün, wenn in mir neues Leben aufbricht und ich mich auf den Weg mache zur ewigen Heimat. Und alle Farben sind der ewige Frieden“, fügte er noch hinzu.

Wir begegneten uns erst wieder, als der Blinde auf dem Sterbebett lag. Hätte er sehen können, dann hätte er von seinem Bett aus, durch das Fenster, einen wunderbaren Regenbogen wahrgenommen. Etwas bedrückt fragte ich ihn: „Bist du traurig, dass du nie einen Regenbogen gesehen hast?“
Er lächelte: „Ihr seht den Regenbogen immer nur für kurze Zeit; aber seit du mir den Regenbogen erzählt hast, lebe ich täglich mit ihm. Jetzt schreite ich unter ihm durch und gelange in das Land, in dem wir uns einst alle wiedersehen werden.“

Und der Regenbogen spiegelte sich in seinen Augen, bis er sie für immer schloss.

Verfasser unbekannt

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