Durch die Angst ins Vertrauen

Wer kennt sie nicht – diese „Nummer sicher“? Mir ist sie jedenfalls bestens bekannt. Die sogenannte Komfortzone. Da bewegt sich nicht viel. Immer am gleichen Ort Ferien machen. Das gleiche Essen. Termine wiederholen sich. Das Leben ist so sehr vorhersehbar … und unspektakulär.

Aber ich behaupte, dass jeder von uns auch andere Stimmen in sich trägt. Diesen Ruf der Seele. Das zu tun, was man schon immer tun wollte. Etwas wagen. Neues ausprobieren. So war es bei mir zumindest. Und vor ca. zwei Jahren tat ich etwas, was meinen Horizont erweiterte. Davon möchte ich euch nun erzählen.

Wer mein Buch Gefühle zeigen erlaubt gelesen hat, kennt die Geschichte der Herzensstimme. Bis auf die CD war es meine eigene. Zu mir sagte mal eine Gesangslehrerin „Als der liebe Gott die Sängerinnen-Stimmen verteilt hat, haben Sie aber nicht Ich Ich gerufen!“ Und Gesangslehrer haben ja bekanntlich recht. Dachte ich zumindest. Obwohl ich als Kind immer sagte „Ich will Sängerin werden.“

Es vergingen daraufhin Jahre, in denen ich nur heimlich für mich gesungen habe. Im NLP-Kurs blinzelte meine Stimme des öfteren nochmal durch. Aber nicht im Alltag. Bis zum Tag der ersten Lesung. Ich dachte mir: Wenn ich nun schon so mutig mein Schneckenhaus verlasse, dann richtig! Und so plante ich, ohne mit jemanden darüber zu sprechen, dass ich am Schluss ein Karaokelied singen werde.

Dass ich davor Angst hatte, muss ich niemandem sagen, oder? Und was ich mit der Angst getan habe, wissen alle, die das Video von EGON kennen. Ich habe sie einfach mitgenommen! Als Kuscheltier. Und auf der Lesung vorgestellt. Ja, wirklich! Klingt bescheuert – ist es auch. Jedenfalls las ich die besagte Geschichte der Gesangslehrerin am Ende der Lesung vor und gab zu, dass es meine eigene ist. Dann sagte ich einen Satz:

„Es ist jetzt nicht wichtig, dass ich perfekt singe.
Viel wichtiger ist, dass ich das jetzt mache!“

Was dann geschah überraschte mich selbst. Ich sang mit einer glasklaren Stimme den Song von Wind „Lass die Sonne in dein Herz“. Mein Mund ging weit auf und es kamen laute Töne und ein verständlicher Text raus.

Huch – was war das denn jetzt?

Ich denke, ich weiß, was in diesem Moment geschehen ist. Ich hatte solange Angst in der Öffentlichkeit zu singen, dass ich überhaupt nicht merkte, wie sehr ich mich entwickelt hatte. Ich schaute mit alten Augen auf mich und sah die Qualitäten der „neuen Kerstin“ gar nicht.

Manchmal müssen wir etwas tun, wovor wir lange Angst hatten,
um festzustellen, wie sehr wir uns verändert haben.

Nach dieser Erfahrung habe ich vieles getan, wovor ich dachte Angst zu haben. Je öfter ich durch meine Ängste ging, desto mehr konnte ich mir vertrauen. Und ich gewann noch eine wichtige Erkenntnis:

Du bist in Sicherheit,
wenn du zu dem stehst,
wie es ist.

Das ist der Grund, wieso ich in den letzten zwei Jahren oft über meinen Horizont hinaus geblickt habe. Wieso ich auch heute kaum mehr Angst habe vor etwas. Und wenn sie da ist, nehm ich sie einfach mit und stehe zu ihr. Zuzugeben, dass man kein Profi ist und dass der Adrenalin am Anschlag steht, macht menschlich und ist eine Stärke.

Als ich mein erstes Lied geschrieben hatte, traute ich mich letztes Jahr sogar auf einer größeren Veranstaltung vor ca. 100 Menschen zu singen. Auch wieder das erste Mal. Aber ich wusste ja nun, welche Kraft in mir steckte.

Klickt mal an die Minute 18:30 – dann wisst ihr, was ich meine.

Deshalb möchte ich euch heute ermutigen, den nächsten Schritt zu gehen. Habt Mut, Wege einzuschlagen, die in euch erstmal Unbehagen auslösen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen:

Wer mutig seinen Weg geht,
findet Vertrauen in sich, wird freier
und lässt Ängste gehen.

Als ich jetzt am Wochenende die Lachyoga-Ausbildung absolvierte, dachte ich danach auch wieder: Warte doch bis zum Herbst bis du einen Lachtreff eröffnest. Aber ich wusste genau, dass das die sogenannte Schiebetaktik ist, nicht ins Handeln zu kommen. Die berühmte Angst vor Neuland. Aber dieser Angst stelle ich mich. Wieder einmal.

Und du?

Alles Liebe
Kerstin

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