Eine Geschichte über menschliche Größe im Alltag

Linie 13 in Köln. Montag morgen, 08:07 Uhr

„Fahrscheine bitte!“
Neben mir sitzt eine alte kleine Dame – bestimmt schon über 80 Jahre. Und während ich in meiner Tasche nach meinem Ticket krame, sitzt sie regungslos da.
„Werte Frau, Ihren Fahrschein bitte!“
Die alte Dame schaut den Kontrolleur an. Sie lächelt.
„Ich habe keinen. Ich fahre gerade zu meinen beiden Engelchen nach Mülheim. Schauen sie, ich könnte ihnen jetzt sagen, dass der Fahrscheinautomat viel zu kompliziert ist. Oder vorgeben, ich sei verwirrt. Oder einfach sagen, ich leide an Demenz. Wahrscheinlich würden sie mir glauben. Die Wahrheit ist aber, dass wir Ende des Monats haben. Das Geld hat schlicht nicht ausgereicht für ein Ticket. Da ich die Kleinen aber unbedingt sehen wollte, bin ich das Risiko eingegangen.“
Der Kontrolleur ist sichtlich überrascht, ihm fehlen die Worte.
„Mir ging es in meinem Leben schon weitaus schlechter,“ führt die Dame fort „aber gelogen habe ich nie. Junger Mann, schreiben sie mich ruhig auf.“
Sie hält ihm ihren Personalausweis hin. Der Kontrolleur schaut jedoch nicht auf den Ausweis. Er blickt der Dame in die Augen, holt tief Luft und dreht sich um. Er geht zum Ticketautomaten und öffnet seinen eigenen Geldbeutel. Nach ein paar Sekunden kommt er wieder zurück.
„Ich habe ihnen ein Ticket gekauft – es gilt für vier Fahrten. Damit können sie ihre Enkel diese Woche zweimal sehen.“

Verfasser unbekannt

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Alles Liebe für euch
Kerstin

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