Der verbogene Löffel

„Sag mal, wieso bist du denn so krumm?“

„Ach, ich war nie gut genug und hab mich ständig verbiegen lassen. Dem einen war ich nicht lang genug, dem anderen zu glatt, und ich wurde sogar schon benutzt, um eine Tür aufzubrechen!“

„Aber wieso hast du das mit dir machen lassen?“

„Na, ich hatte doch keine Wahl. In der Schublade hätte ich mit den anderen Löffeln nur rumgelegen. Und wer weiß, ob mich da jemals jemand gesehen hätte.“

„Du hattest also Angst, dass du nicht wahrgenommen wirst, und hast dich lieber zu allem Möglichen verbiegen lassen, um gesehen zu werden?“

„Hmm, ja irgendwie schon.“

„Also ich hab in der Schublade geruht und darauf vertraut, dass ich als Löffel verwendet werde. Und so war es auch. Ich bin durch jede Menge Eis gegangen, eins leckerer als das andere und hab schon viele Joghurtbecher leer geputzt.“

„Du strahlst auch so!“

„Ja, ich bin eben durch und durch Löffel. Ein Messer kann ich eh nie werden, da ich als Löffel geboren wurde. Ich mache das, was ich gut kann. Von Natur aus.“

„Das würd ich auch gerne.“

„Dann komm doch mit, ich geh jetzt wieder in die Schublade, um zu ruhen.“

„Ja, aber …“

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So ist das also!
Fotoquelle: http://de.wikihow.com/Einen-Löffel-verbiegen

One thought on “Der verbogene Löffel

  1. Sonja

    Liebe Kerstin,
    ein schöner Vergleich, auch gut zu merken, wenn ich mal wieder in der Situation bin mich verbiegen zu lassen. Passiert immer noch, aber weitaus seltener wie früher. Danke dafür. LG Sonja

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