Rein in den Burnout und wieder raus

Gerade eben gab ich ein Interview für den Kongress „Selbstverwirklichung“. Das war mal richtig schön. Vor allem: Wir waren eigentlich nach gut einer Stunde fertig. Dann folgte eine weitere Stunde, die sich völlig unbeabsichtigt durch eine Frage ergab. Von meinem Empfinden war diese noch intensiver. Ja, so ist das mit der Absicht manchmal. Ein Glück haben Monique und Diane (zwei tolle Frauen übrigens!) irgendwann auf „Aufzeichnung“ gedrückt. Bin gespannt, was sie letztlich alles zusammenschneiden.

Jedenfalls wurde mir in den letzten Wochen und auch durch dieses Interview einiges bewusst. Ich möchte euch ehrlich und offen daran teilhaben lassen.

Im letzten Jahr habe ich vieles verkrampft getan. Weil ich besonders gut sein wollte. Ich wollte mein Marketing verbessern, mehr nach außen strahlen, präsenter sein und überhaupt. Dabei ist eins passiert: Ich bin völlig an mir selbst vorbei gelaufen. Und ich bin mir sicher, dass ihr das stellenweise gemerkt habt. An mir selbst vorbei und mitten rein in den Burnout. Und glaubt mir: Ich hätte nie geglaubt, dass mir so etwas noch einmal passieren könnte.

In mir drin wusste auch eine Stimme, was Sache ist, aber die habe ich nicht gehört. Ich wollte sie nicht hören. Stattdessen bin immer wieder über mich hinweg gegangen. Gut da stehen. Toll sein. Erfolgreiche Autorin lebt nun vom Schreiben. Ja, ich dachte, ich hätte mich ins Schlaraffenland gebeamt.

Aber nix da.
Keine Kirschen im Mund.
Die Erkenntnis schmerzte.
Dunkelheit zeigte sich.

Und wisst ihr, was ich außerdem für mich gemerkt habe? Das beste Marketing mache ich, wenn ich gar keins machen will. Wenn ich einfach der bin, der ich bin. Echt, authentisch und mir selbst nah. Wenn ich nicht so viel plane und analysiere, sondern meiner Intuition folge. Das mag nicht auf alle passen, aber bei mir ist es so.

Vielleicht erinnert ihr euch noch an folgende Begebenheiten?

1. Es waren schon 1,5 Bücher fertig ohne dass es bewusst war. Ich schrieb Geschichten, weil es mir gut tat.

2. Die Buchrücken ergaben unerwartet einen Regenbogen, nachdem ich die Farbe der Vorder- und Rückseite anpasste.

3. Die Fotografie entwickelte sich rasant, obwohl ich „nur“ das Vorhaben hatte öfter in meiner Kraft zu stehen.

4. Die Geschenkbüchlein kreierte ich mit dem Vorhaben, es überall hinzubringen, wo pädogagisch gearbeitet wird, damit möglichst viele diese Geschichte lesen. Der Liebe wegen. Die ersten 400 Stück verschenkte ich. Bis jemand kam, der 100 kaufen wollte…

Nur um ein paar Dinge zu nennen. Wenn ich länger nachdenke, fällt mir bestimmt noch mehr ein. Alles absichtslos und doch so stimmig. Weil ich einfach meinem Bauch folgte. Geld war bei alledem nicht meine Motivation, sondern Freude. Und dann entpuppten sich Sachen, die ich vorher gar nicht sehen konnte.

Genau das änderte sich letztes Jahr, als ich meinen Job in der Telefonakquise aufgab. Aus dem Bücher schreiben DÜRFEN wurde ein MÜSSEN. Obwohl ich mich äußerlich aus dem Rädchen der Leistung herauszog und nur noch das machen konnte, was ich wollte, spürte ich von Beginn an Druck. Die Rädchen liefen innerlich weiter. In den letzten Monaten suchte ich verkrampft den Weg zurück in die Kreativität.

Ich schrieb zum Beispiel Morgenseiten nach Julia Cameron bis ich merkte: Das machst du doch auch nur, weil du denkst, anschließend wieder Bücher schreiben zu können. Und nicht, weil es dir gut tut. Also hab ich sie sofort eingestampft. Nix Morgenseiten, nix Buch, nix mehr krampfhaft.

Nach langer Zeit des krampfhaften Buchschreibenwollen habe ich mir kürzlich die Erlaubnis gegeben, kein Buch mehr schreiben zu „müssen“. Ja, genau. Wenn nichts mehr kommt, ist vielleicht jetzt Ende mit Bücherschreiben. Na und? Dann kommt eben was anderes. Vielleicht auch nicht – wer weiß das schon.

Seitdem geht es mir besser.
Weil es ruhiger wird in mir.
Weil ich annehme, wie es jetzt ist.
Das Vertrauen kommt immer öfter kuscheln.
Das Leben wird wieder zum Freund.

Falls du also glaubst, in Rente gehen sei toll, weil du endlich machen kannst, was du willst, dann prüfe für dich, was viel Zeit haben überhaupt für dich bedeutet. Hältst du das aus? Bist du gerne mit dir zusammen?

Gerne darfst du dich auch fragen, ob es etwas gibt, worin du besonders gut sein willst. Denn oft ist es genau das, was uns blockiert. Dieses besonders gut sein wollen trennt die Verbindung zu uns selbst. Weil wir jemand sein wollen, der wir gar nicht sind.

Ja und dann … herzlich willkommen im SEIN.
Tob dich aus im Leben – spielen erlaubt.

Alles Liebe
Eure Kerstin
www.autorin-mit-herz.de

6 thoughts on “Rein in den Burnout und wieder raus

  1. Wie wahr das wieder einmal ist. Gut, dass du auf deine Stimme hörst, bevor es zu spät ist. Ich drück dich unbekannterweise und danke für den Text <3
    Miriam

  2. Mittendrin. Liebe Kerstin … ich spüre auch diesen Drang wirklich nur das zu tun was kommen will … und nicht was mein Kopf mir sagt. Gar net so einfach. Dabei heißt das doch einfach nur mal nach Innen gehen und vor allem das zu tun was echt Freude macht. Das, wobei wir die Zeit vergessen. Ich übe. Wir alle üben. So schön – das du offen darüber schreibst. Ich bin ganz bei dir 🙂 Liebe Grüße ♡

  3. Liebe Kerstin,

    wunderbar geschrieben, Da kann ich auch mitreden, die letzten Jahre vor meiner Pension war es bei mir auch so. Ich dachte immer, ich „muss“ noch andere Referenten organisieren und es war schon verkrampft. Dann hab ich das aufgegeben und nur mehr meine Seminare gemacht. Und jetzt wo ich gar nix mehr „muss“ läuft alles wie am Schnürchen. Aber ich gebe mir eben die Freiheit, nur das zu tun, was mich bewegt. Du hastd es Gott sei Dank schon früher erkannt.
    Deine kleinen Büchlein machen immer noch Freude als Paketbeilage bei meinen Kunden!

    Liebe Grüße aus Österreich
    Edeltraud

    • Es ist nur so verrückt, dass das, was mir zuvor so leicht von der Hand ging, plötzlich anders ist. Aber so ist es nun. Ich akzeptiere es und gebe mich hin. Etwas anderes geht nicht und will ich auch nicht mehr, weil es Kraft kostet. Danke für deine Zeilen, liebe Edeltraud.

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