Von der Angst zu gehen

Wer kennt diese Situationen nicht? Wir wünschen uns, in eine Richtung gehen zu können, aber irgendetwas hält uns ab. Obwohl wir unsere Herzensstimme rufen hören, haben wir Angst.

Wenn ich auf mein Jahr zurückblicke, so kann ich sagen, dass ich mir meine Ängste sehr genau angeschaut habe. Ich habe Entscheidungen getroffen, in denen ich mir selbst und meinen Ängsten begegnet bin. Immer und immer wieder. Von meinen Implantaten, die ich mir habe setzen lassen, über erste Vorträge und Seminare bis hin zu der Entscheidung, ab Januar 2015 als Künstler zu leben.

Ich habe dieses Jahr vieles vollendet oder bin noch mittendrin, was in meinen Gedanken und Träumen bereits präsent war. Ich bin gegangen. Schritt für Schritt. Und ich hatte das Gefühl: Es gibt jetzt kein Rumgeeiere mehr rechts und links herum – der einzige Weg ist mittendurch.

Deshalb möchte ich dich heute einladen zu hinterfragen:
Welche Ängste hast du?
Was würde passieren, wenn du hindurch gehst?
Glaubst du wirklich, es könnte schlimmer kommen als es jetzt ist?

Meine Gefühle glichen dieses Jahr einer Achterbahn. Manchmal hab ich jetzt noch die Kotztüte in der Tasche, weil mir schlecht wird. Aus Angst vor Neuland. Aber … nach jedem Kotzen geht es mir besser. Jede Träne hat mich befreit. Und aus allem, was ich durchlebt hatte, bin ich  gestärkter herausgegangen. Ich habe alles angenommen, was kam. Ich habe mich gegen nichts mehr gewehrt. Ich habe die Geschenke in der Angst ausgepackt. Und ich weiß heute eins: Die größte Angst ist es nicht, zu versagen. Die größte Angst, ist es zu strahlen und mich mit meiner vollen Pracht zu zeigen. Und ich bin mir sicher, ich bin nicht die einzige, der es so geht.

Mir fällt an dieser Stelle wieder eine Geschichte aus meinem ersten Buch
„Gefühle zeigen erlaubt“ ein, die ich mit euch teilen möchte:

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Der Umgang mit Ängsten

Patrick war mit seinen neunzehn Jahren ziemlich reif und vor allem lernbereit. Er wollte sein Leben meistern, so gut es ging, in Achtsamkeit mit sich selbst und mit den anderen Menschen. Doch er hatte eine Schwäche: Er konnte nicht auf andere Menschen zugehen, war extrem schüchtern und traute sich selbst wenig zu. Um etwas lockerer zu werden, griff er in Gesellschaft gerne zum Alkohol.

Sein Patenonkel Klaus hatte ihm viel mit auf den Weg gegeben. Seitdem er wusste, dass er an Krebs erkrankt war, wollte er sein Leben, so gut es ging, genießen. Er hatte Patrick zwei Wochen auf eine Insel mitgenommen, wo sie ohne Strom und Wasser in einem Holzhaus lebten, damit Patrick sieht, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Damals hatte er verstanden, dass nicht die äußeren Werte wichtig sind,
sondern die inneren. Das, was jeder in sich trägt.

Patrick war damals wie verändert, als er von der Insel heimkam. Er trank nicht mehr so viel Alkohol wie vorher, wenn er mit seinen Kumpels rausging. Er wanderte häufig in die Natur hinaus, um die Stille zu genießen, denn er wusste nun, dass alle Antworten auf seine Fragen in ihm selbst zu finden waren. Aber dazu brauchte er Ruhe. Oder einen Menschen, der ihm half, die Antworten sichtbar zu machen. Wenn er nicht weiter wusste, suchte er seinen Patenonkel auf.

Doch Klaus hatte nun Krebs im Endstadium und Patrick wusste, dass er sterben würde. Er besuchte seinen Patenonkel oft, denn er wollte jede Minute mit ihm genießen, da er so viel Lehrreiches aus seinem Leben berichtete.

Doch dann kam der Tag, der kommen musste, und sein Patenonkel ging ins Licht. Patrick war unendlich traurig. Aber er wusste, dass ihm niemand nehmen konnte, was sein Onkel ihm geschenkt hatte.

Obwohl er seine Schwäche kannte und Angst hatte vor einer Menschenmenge zu sprechen, bat er darum, in der Kirche etwas sagen zu dürfen.

Als die Trauerfeier fast zu Ende war, trat Patrick an das Mikrofon. Alles war still, und besonders die Familie war gespannt, was Patrick zu sagen hatte. Er räusperte sich, um die Tränen zu unterdrücken. Die Angst, vor einer Menge von Menschen zu sprechen, verstärkte sich. Er schluckte. Aber er wollte etwas sagen. Das war Patrick wichtig.

Und dann begann er mit zittrigen, leisen Worten: „Ich bin meinem Patenonkel dankbar für alles, was er mit mir geteilt und auf den Weg mitgegeben hat. Er sagte mir, dass ich Angst nur überwinde, wenn ich genau das tue, wovor ich mich fürchte. Und deshalb stehe ich nun hier …“

Herzensgrüße
Eure Kerstin
www.Autorin-mit-Herz.de

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